Chapter 1 - Prolog
Noch immer konnte Nina nicht einschlafen. Der gleichmäßige Atem ihrer Freundin füllte das Zimmer, erschöpft, befriedigt. Er sollte Nina eigentlich beruhigen, aber das tat er nicht. Er zeigte ihr nur, was ihr fehlte. Eine Stimme, tief aus ihrer Erinnerung füllte Ninas Gedanken: „Sex ist das beste Schlafmittel. Aber du wirst das nie erfahren, weil du dick und hässlich bist." Ihre Mutter, selbstzufrieden nachdem sie von einem Date nach Hause zurückgekehrt war. Weitere Stimmen schlossen sich ihr an: „Das Nilpferd kommt!" und „Bist du dir sicher, dass der Stuhl dich aushält?", begleitet von grausamem Gelächter. Die Kinder in ihrer Schule. Nina wollte schreien, aber sie wusste, dann hätte sie Huelya geweckt. Also setzte sie sich auf, ganz langsam. Sie sah, wie ihr Brüste und ihr Bauch sich mit ihr bewegten, wie sich ihre eigene Bewegung über das Fett ihres Körpers fortsetzte. „Schau dich doch an", hörte sie die Stimme ihrer Mutter. „Nur Fett. Keine Disziplin. Ein ekliger, dreckiger Haufen Fett der nie einen Freund finden wird."Nun, sie hatte immer noch keinen Freund gefunden. Sie hatte etwas Besseres gefunden: Huelya. Huelya war nicht einfach nur dicker als sie selbst. Huelya war dick und schön. Daran hatte sie nie einen Zweifel gelassen, von ihrer ersten Begegnung an nicht. Sie hatte ihren Blick gefangen, noch bevor sie den Platz neben ihr im Vorlesungsraum einnahm: Klein und rund, mit kurzen Haaren und einem jungenhaften Lächeln. Sie hörte wieder die Stimme ihrer Mutter: „Sie nur, dieses fette Mannsweib. Die bekommt keinen Mann, daher nimmt sie sich Frauen, Frauen die so sind wie sie. Wenn du nicht achtgibst, dann wirst du wie sie, Nina." Aber sie hatte damals auch eine andere Stimme gehört, vielleicht die des Vaters, den sie nie gekannt hatte. Oder, wie sie inzwischen annahm, ihre eigene. Diese Stimme sagte ihr, dass diese Frau, die sich gerade schnaufend neben sie gesetzt hatte, schön wäre und dass ihr nichts Besseres hätte geschehen können, als in ihren Armen zu landen. Zwei Monate nach ihrem ersten Treffen waren Huelya und Nina ein Paar; drei Monate danach hatten sie ihren ersten Sex zusammen gehabt. Sicher eine Stunde lang hatten sie sich heute Abend durch das zu kleine Bett gewälzt, hatten sich geküsst, ihre Körper mit Händen erkundet und sich gekostet. Und trotzdem konnte Nina nicht schlafen. Und trotzdem hörte sie die Stimmen: „Die hat keinen Kerl bekommen, daher hat sie jetzt so eine andere fette Kuh."
Sie betrachtete die schlafende Huelya: Ihr Gesicht, mit der langen, geraden Nase und dem kurzen zerfransten Haar, das ihr den jungenhaften Anstrich gab. Nina spürte, wie sich Wärme in ihr ausbreitete. Ein glückliches Lächeln schien Huelyas Lippen im Schlaf zu umspielen und Nina fuhr es mit den Fingern nach: Huelya wäre nie auf die Idee gekommen, unglücklich zu sein, nur weil sie dick war. „Natürlich bin ich dick," sagte sie, „natürlich bin ich fett. Genau wie meine Eltern, genau wie mein Bruder. Und genau wie meine Freundin; wir alle sind genau richtig." Nina hatte nichts gesagt, als Huelya das gesagt hatte, aber das hatte den Schmerz in ihr nicht gelindert: Nicht nur fiel es ihr schwer, sich als genau richtig zu bezeichnen, neben Huelya und ihrem Bruder Cem war sie auch nicht sonderlich dick. So wie sie neben eigentlich allen anderen Menschen dick und fett erschien, so erschien sie neben diesen beiden fast... schlank.
Sie betrachtete nun ihrer beider Körper; Huelyas weicher Körper schien fast natürlich in ihren eigenen, schlankeren Körper überzugehen. Sie betrachtete die beiden ungleichen Bäuche, wie sie sich zu einem vermengten, die vier ineinander verschränkten Beine. Zwei von ihnen waren länger und schlanker als die anderen. Nun, sie konnte nichts an ihrer Länge ändern.
Sorgfältig, stets darauf bedacht ihre Freundin nicht zu wecken, schälte Nina sich aus der Umarmung. Sie zog ihren BH an, dann die Unterhose, die Hose und das Shirt; schließlich eine leichte Steppjacke. Es war kühl in dem kleinen Zimmer, aber Huelya hatte sie gebeten, die Heizung nicht anzuschalten: Die Heizkosten waren wieder gestiegen. „Den ganzen Silhouetten geht es noch schlechter als uns," hatte sie gesagt „die haben keine Speckschicht, die sie wärmt." „Silhouetten" nannte Huelya all jene, die schlanker waren, als sie selbst und Nina. Es war ein seltsamer Begriff, wie Nina fand: Gleichzeitig verächtlich und liebevoll. Als würde sie schlankere Menschen bemitleiden, oder Angst um sie haben. Als würde ihnen ein notwendiger Schutz fehlen.
Nina setzte sich an ihr MacBook. Jetzt, wo Huelya schlief, hatte sie die Gelegenheit, ihre Lieblingsteile des Webs zu durchforsten. Der Teil, in dem dicke Frauen sich offen den Blicken der Welt zeigten und dafür bewundert wurden. Der Teil, in dem Frauen wie sie und Huelya nicht bemitleidet, sondern bewundert und beneidet wurden. Der Teil, der BBWs gewidmet war, Big Beautiful Women. Am meisten begeisterte Nina, dass nicht alle dieser Frauen dick waren: Einige wollten es noch werden. Feedees nannte man sie, Menschen, die bewusst zunahmen. Menschen, die nicht nur die Schönheit dicker Frauen erkannten, sondern sich aus dieser Erkenntnis heraus entschlossen, selber dick zu werden. Oder noch dicker, und noch schöner.
Zunächst hatte sie Huelya diese Seiten zeigen wollen; ihr zeigen wollen, dass sie nicht die Einzige war, die die Schönheit dicker Frauen zu schätzen wusste. Doch dann hatte sie gezögert: Für Huelya war ihr Gewicht etwas, was ihr von Geburt an gegeben war. Sie war nicht gläubig, doch wäre sie es gewesen, hätte sie wohl gesagt, dass Allah sie dick geschaffen hätte. Es war nicht Sache der Menschen, über so etwas zu entscheiden, das würde wohl auch die wahre, nicht gläubige Huelya sagen. Einmal hatten sie gemeinsam einen Stream über einen Popstar gesehen, der stark abgenommen hatte und Huelya hatte weggeschaut, als könne sie das Gezeigte nicht ertragen: „Hoffentlich fällt sie nicht bald um, die Arme." Nina wollte nicht, dass Huelya traurig war.
Und so hatte Nina ihr ihre nächtlichen Streifzüge durch die Welt der Big Beautiful Women verheimlicht. Nina hatte darüber nachgedacht, selber zu einer von ihnen zu werden, zu einer Feedee, die immer dicker und runder wurde. So schön und erregend dieser Gedanke war, spürte sie aber doch, dass er Huelyas Widerwillen erwecken würde. Nina starrte auf ihr Notebook, dann seufzte sie. Huelya konnte ihr vielleicht die Freuden des Feederism in der echten Welt vergällen, aber sie konnte nicht ihre Fantasie beschränken. Und so fing sie an zu schreiben: Von Frauen, die freier waren als sie selbst. Die nicht abnahmen, die sich nicht um gesellschaftliche Ideale scherten. Frauen, die nicht in einem Studium steckten, das sie heimlich hassten.
Contemporary Fiction
Apocalypse/Quarantine
Mutual gaining
Feeding/Stuffing
Paradise/Holiday/Luxury
Addictive
Competitive
Dominant
Enthusiastic
Indulgent
Female
Lesbian
Fit to Fat
Friends/Roommates
First person
X-rated
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